Viele Besucher, wenig Platz

Auf dem Schlossgrabenfest gab es dieses Jahr teilweise Rekorde bei den Besucherzahlen. So feierten mehr als 140.000 Besucher die Band Sunrise Avenue. Und bereits eineinhalb Stunden bevor Rapper Marteria die Bühne betrat, warteten tausende Zuschauer auf dem Karolinenplatz. An einigen Stellen war das Festival vielleicht zu gut besucht. Es kam zu unangenehmen Situationen, in denen es teilweise gefährlich voll war.  

Marteria steht auf der Bühne und tausende Fans und Zuschauer davor, jubelnd und springend. Einen Blick von vorne auf die Bühne zu bekommen ist kaum möglich, es ist zu voll. Am Rand ist etwas Luft, hier kann man noch durch die Menge gehen. In dieser Entfernung bekommt man kaum mit, dass der Hauptauftritt vorbei ist. Dauernd drängen Leute vorbei, es wird schwierig, nicht von der Menge mitgerissen zu werden. „Wollen wir mal langsam hier weg, es ist irgendwie voll eng?!“ Das dachten wohl auch einige hundert andere, die in entgegengesetzter Richtung das Gelände überqueren wollen. Nach wenigen Metern drängen die Leute von allen Seiten und stehen so eng aneinander, dass kaum Platz ist einen Fuß vor den anderen zu setzen. Es ist schwierig, nicht zu stolpern. Von hinten drängt die Masse und vorne geht es nicht weiter.

Schlossgrabenfest 2011

Einige Frauen werden nervös, wollen nicht bedrängt werden. Aggressive Blicke und Gerempel. Junge Frauen, die sich eben noch von ihrer besten Seite präsentiert haben, prügeln sich. Weder vor noch zurück kann man gehen. Zum rechten Straßenrand, wo die Würstchenbuden stehen, sind es nur etwa drei Meter. Zwischen zwei Ständen ist Platz zum stehen. „Was wollt ihr denn hier, hier geht es nicht weiter!“, ruft der Verkäufer in die Menge. Vor ihm steht ein Biertisch, damit die Festbesucher nicht hinter den Ständen herumlaufen. Hinter dem Mann ist eine kleine Mauer, darunter der Schlossgraben, der dem Fest seinen Namen gibt. Er erfüllt seine ursprüngliche Aufgabe noch immer tadellos, da kommt keiner vorbei. „Wir können aber nicht zurück, da ist die Hölle los!“, ruft ein Teenie dem Mann entgegen. Auf der einen Seite die Mauer, auf der anderen tausende junge Leute, die den dreispurigen Cityring verstopfen (zur Verdeutlichung oben das Satellitenbild). Die laute Musik von der Bühne geht unter im Lärm der Menschenmenge, es gibt viel zu brüllen: „Wo ist eigentlich Christian!?“, „Drängelt doch nicht so!!“, „Hier geht es nicht weiter!!“, „Komm wir versuchen es mal in diese Richtung!“, „Ja! Hallo? Wo bist du?“.

Der Verkäufer sieht ein, dass die Leute nicht zum Spaß hinter seinem Stand entlang wollen. Es ist kaum Platz zwischen den Ständen und der Mauer, hinter der es einige Meter hinab in dem Schlossgraben geht. Auf der Mauer selbst ist zwar nur ein schmaler aber immerhin begehbarer Pfad bis zur nächsten Lücke, wo es auch schon zurück in die Menge geht, da ist es auch nicht mehr ganz so voll.

Derartige Situationen sollten wohl mit den Zäunen und Kontrollen verhindert werden. Ganz gelungen war das allerdings nicht. An solchen Stellen hätte man die Besucher, die in entgegengesetzte Richtungen wollen, aneinander vorbei leiten müssen, damit es nicht zu solchen Engstellen kommt. Andere Stellen auf dem Festival waren besser geordnet, so wurden zum Beispiel Bereiche vom restlichen Gelände getrennt und die Zugänge separat kontrolliert. Dort wurden zeitweise nur genau so viele Leute herein gelassen wie rausgegangen waren. Der positive Effekt war in diesen Bereichen deutlich zu spüren. Die Stimmung war sehr ausgelassen und entspannt, weil jeder genug Platz und Freiraum zum feiern hatte.

Wenn sich das Schlossgrabenfest so weiterentwickelt wie momentan, könnte es seinen Charme verlieren. Mit bekannteren Bands wird das Fest auch immer mehr Besucher anziehen. Schon dieses Jahr war es gefühlt voller als sonst und zeitweise zu voll. Das Schlossgrabenfest war anfangs eher ein Fest der Darmstädter und hatte auch eine dementsprechende Atmosphäre, die leider mehr und mehr verloren geht. Abgesehen davon muss das Festgelände ausgeweitet werden oder die Besucherströme effektiver durch dieses hindurch geführt werden, wenn das Schlossgrabenfest weiter wachsen soll.

Text: Silas Sachs | Fotos: Silas Sachs/Stage Groove