Touchdown im Bürgerpark

American Football in Darmstadt? Das gibt es? Aber sicher – und nicht erst seit gestern. Bereits seit
26 Jahren sind die Darmstadt Diamonds in den deutschen Football-Ligen zuhause. In der laufenden Saison versuchen sie unter die besten Drei zu kommen. Das langfristige Ziel ist der Aufstieg in die erste Liga. Die Sportart aus den Vereinigten Staaten fordert von den Spielern Teamgeist und Körpereinsatz.

Donnerstags  kurz vor 18 Uhr auf dem Luisenplatz. Aus der Straßenbahn Linie 6 steigen drei Jungs zwischen 16 und 19 Jahren. Jeder von ihnen schleppt einen Helm und einen Brustpanzer mit sich herum. Ein junger Mann mustert die Gruppe und schaut seinen Nebenmann fragend an. Dieser wirft ebenfalls einen Blick auf die Gruppe und ihre Ausrüstung und sagt: „Ganz klar. Football!“ Und er hat recht. Die drei Jungs haben die Schutzkleidung nicht dabei, weil das Straßenbahn fahren in Darmstadt so gefährlich ist.  Sie gehören zur A-Jugend der Darmstadt Diamonds, einer der ältesten Football-Mannschaften in Hessen.

Voller Körpereinsatz auch im Training

Voller Körpereinsatz zählt auch beim Training.

Wer bei Football jetzt an riesige Stadien, millionenschwere Werbeverträge und große Footballstars denkt, der liegt weit daneben. Was in den USA zu den populärsten Profisportarten zählt, ist bei uns eher eine Randsportart. „Grundlegend ist Football in Deutschland ein Amateursport“, erklärt Alexander Marquardt, einer der Trainer der Darmstadt Diamonds. „Die Spieler verdienen kein Geld, und auch wir Trainer arbeiten hier ehrenamtlich.“

Seit 1985 mischen die Diamonds in den deutschen Football-Ligen mit. Zwei Mal schon haben sie den Sprung in die German Football League (GFL), die oberste deutsche Spielklasse, geschafft. Zuletzt vor fünf Jahren. Damals gelang sogar der Einzug ins Viertelfinale um die Deutsche Meisterschaft. Trotz des Erfolgs konnten die Darmstädter sich allerdings nicht in der GFL halten. Seit 2009 spielen die Diamonds wieder in der zweiten Liga, der GFL2 Süd.

Im Gegensatz zum Fußball ist der Ball nicht rund sondern oval, und auch Tore sucht man auf einem Football-Feld vergeblich. „Ziel beim Football ist es, den Ball ans Ende des gegnerische Hälfte des Spielfelds zu bringen und mit dem so genannten Touchdown Punkte zu erzielen“, bringt es Alexander Marquardt auf den Punkt. „Körperlich, aber auch geistig wird von einem Footballspieler mehr verlangt  als von einem Fußballspieler.“ Vor allem eine gute Taktik ist gefragt, denn um den Ball hinter die gegnerische Linie zu bringen, müssen die elf Offensivspieler zuerst an den elf Defensivspielern des Gegners vorbei.  Ein harter Kampf um jeden Zentimeter.

Jeder gibt alles für das Team

Alexander Marquardt ist schon 20 Jahre bei den Darmstadt Diamonds. Zuerst als Spieler, mittlerweile gehört er zum Trainerstab. „Das schönste am Football ist für mich das Teamgefühl“, schwärmt Marquardt. „Jeder gibt alles für das Team, setzt für die Mannschaft alles ein, was er hat, und was sein Körper hergibt. Das macht sehr viel aus. Außerdem kenne ich keine andere Sportart, in der man mit so vielen unterschiedlichen Menschen zusammen spielt.“

Geschickt und dynamisch wie die Großen: die A-Jugend der Diamonds

Dynamisch: die A-Jugend der Diamonds.

In den Augen des Offensiv Coach ist die soziale Verantwortung im Football besonders groß. „Dadurch, dass wir Spieler aus den verschiedensten sozialen Schichten haben, ist es unsere Aufgabe, nicht nur die taktischen Spielzüge zu vermitteln. Wir wollen auch das Selbstbewusstsein der Spieler stärken und ein Wir-Gefühl vermitteln, das viele junge Spieler von Zuhause aus gar nicht mehr kennen.“

Immer dienstags und donnerstags  kann man in den Straßenbahnen und Bussen Darmstadts einen Blick auf die Spieler der Diamonds und ihre Ausrüstung erhaschen. Dann geht’s nämlich zum Training auf das Gelände der TSG 1846. Der Nachwuchs beginnt um 18 Uhr und ab 20 Uhr ist dann das Herrenteam an der Reihe. Ihre Heimspiele bestreiten die Diamonds meistens im Bürgerpark Nord. In dieser Saison konnte das Darmstädter Team allerdings erst ein Spiel für sich entscheiden. Trotzdem ist  Alexander Marquardt optimistisch: „Mit Mannschaften wie den Franken Knights können wir einfach momentan nicht mithalten. Am Ende wollen wir unter die besten drei kommen, aber das Wichtigste ist, dass wir Spaß am Football spielen haben.“

Titelbild: Anke Weber (www.diamonds-pictures.de) | Text und Fotos: Anna Wittmershaus