Moderne Medizin in antiker Apotheke

Bunte Perlen, leuchtende Flüssigkeiten, Schubladen mit kuriosen Plaketten und viele, viele Glasflaschen – in der Rosen-Apotheke in der Nieder-Ramstädter Straße gibt es einiges zu entdecken. Eine konventionelle Ausstattung war dem Inhaber nämlich zu langweilig. Was es mit der außergewöhnlichen Einrichtung auf sich hat, verraten wir an dieser Stelle.

„Papa, duuu, gibt es hier auch so Pulver, mit dem man Menschen töten kann?“ Das kleine Mädchen fragt in aller Unschuld. Und die Antwort ist natürlich: nein. Aber dass die Kleine so was erwartet, ist sehr verständlich. Als sie die Frage stellt, steht sie mit ihrem Vater nämlich in der Rosen-Apotheke in der Nieder-Ramstädter Straße. Und die ist ganz besonders eingerichtet – mit antiken Apothekerschränken, Baujahr 1898.

Dicht an dicht stehen darin hunderte Gläser, Flaschen und Keramikdosen. Sie sind gefüllt mit allerlei Pulvern und Flüssigkeiten, von denen einige rötlich oder orange leuchten und somit recht giftig aussehen. Doch Harald Ernstberger, Inhaber der Apotheke, gibt Entwarnung: „Das sind alles Zuckerperlen, Salz, Mehl, oder Wasser mit Farbstoffen. Echte Medikamente dürfte ich so nicht aufbewahren.“ Die befinden sich in einem Hinterzimmer.

Die Schmuckstücke stammen aus Passau

In den vielen Schubladen unter den Regalen verstecken sich allerdings noch echte Raritäten, wie etwa die Pillenröhrchen aus den 50er-Jahren. Liest man die Plaketten an den Schubladen, fühlt man sich Jahrzehnte zurückversetzt. Leibwärmer, Hosenträger, Fischblasen, Luftkissen und Mutterrohre gab es damals in einer Apotheke in Passau zu kaufen. Dort hat Harald Ernstberger die Schränke 1990 entdeckt. 50.000 D-Mark hat er bezahlt, um die Schmuckstücke nach Darmstadt bringen zu können. Dort wurden sie zunächst drei Jahre lang restauriert. Seit 1993 zieren sie seine Rosen-Apotheke.

Weshalb er sich für die antike Einrichtung entschieden hat? „Eine moderne Einrichtung haben alle Apotheken. Man muss sich da absetzen, und ich
fand diese sehr schön.“ Ernstberger ist ein Fan des Jugendstil, der kunstgeschichtlichen Epoche um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert, aus der auch die Schrankwand stammt.

Rund 2000 Bücher hat er zu diesem Thema zusammengetragen. Aus dem Material hat er unter anderem ein Online-Archiv zu den Arbeiten von Friedrich Wilhelm Kleukens und seinem Bruder Christian Heinrich Kleukens zusammengestellt. Die beiden waren Mitglieder der Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe.

Fragen sind willkommen

Die außergewöhnliche Einrichtung kommt gut an bei den Kunden der Rosen-Apotheke. „Witzigerweise gefällt sie auch Jugendlichen“, berichtet Harald Ernstberger. Oft fragen Journalisten an, ob sie über die Apotheke berichten dürfen. Auch Touristen kommen zuweilen in die Rosen-Apotheke hinein und fragen, ob sie Fotos machen dürfen.

Das altertümliche Gerät im Schaufenster ist übrigens eine Bonbon-Presse. Anno dazumal wurde ein klebriger Zuckerteig zwischen den Walzen hindurchgedreht. War dieser ausgehärtet, konnte man ihn in einzelne Bonbons zerbrechen.

Text: Mirca Waldhecker | Fotos: Tobias Krebs

 

 

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