Mit Musik gegen die Musik

Rocco und Stefan sitzen konzentriert vor ihrem Computer in der Universitäts- und Landesbibliothek im Schloss Darmstadt. Durch das offene Fenster hinter den beiden Studenten dringt laute Livemusik. In die krachenden Songs einer Rockband mischen sich immer wieder die tanzbaren Klänge einer Irish-Folk-Gruppe. Dem anhaltenden Lärm begegnen die beiden lernenden Studenten jedoch mit Humor. „Nach fünf Jahren Schlossgrabenfest in Folge sind wir einfach abgehärtet. Wir hören das nicht mehr“, erklärt Stefan. Er lächelt trotzdem ein wenig genervt.

Von sechs Bühnen schallt die Musik in diesem Jahr zum Schloss herüber. Am frühen Nachmittag sind es nur die vibrierenden Bässe, die in die sonst so ruhigen Räume der zentralen Bibliothek dringen. „Abends wird es aber noch viel lauter“, berichtet Wolfgang Immelt. Der 63-Jährige arbeitet seit 1966 in der Einrichtung. „Seit das Schlossgrabenfest 1999 erstmals stattfand, sind die Meinungen bei uns geteilt“, sagt er. Einige Kollegen störten sich sehr an der viertägigen intensiven Geräuschkulisse. „Mir macht das aber nichts mehr aus“, erklärt Immelt und lacht herzhaft. „Es ist zwar nicht meine Musik, aber für Darmstadt ist dieses Fest doch ein Aushängeschild und ein Magnet für junge Menschen“, meint er.

Für Studenten kann das Stadtfest jedoch schnell lästig werden – gerade, wenn für Klausuren gelernt oder an Projekten gearbeitet werden muss. Auch die 22-jährige Antonia kennt das Problem. „Dem Lärm entkomme ich aber ganz gut, wenn ich mich in einen der Lesesäle setze“, sagt sie. In der Hitze sonniger Tage erkaufen sich die lernenden Studenten dort ihre Ruhe durch geschlossene Fenster.

Gegen den Lärm helfen nur geschlossene Fenster.

Gegen den Lärm helfen nur geschlossene Fenster.

Antonia kennt jedoch noch einen weiteren Trick, um dem Lärm zu entgehen. „Ich nehme mir, wie die meisten, einfach einen mp3-Player und Kopfhörer mit. Dann kann ich wenigstens die Musik hören, die mir gefällt“, erzählt die Studentin. „Wenn es gar nicht anders geht, setze ich mich halt mit dem Laptop oder dem Buch in ein ruhiges Cafe“, fügt sie hinzu.

Schon in naher Zukunft könnte sich die Situation für die Studenten jedoch sichtlich verbessern. „Bis 2012 soll die neue Zentralbibliothek in der Magdalenenstraße fertig gebaut sein. Dann lagern wir einen Großteil unseres Bestandes dorthin aus“, erklärt Wolfgang Immelt. Auch auf dem Universitätscampus Lichtwiese entsteht derzeit ein Bibliotheks-Neubau. So werden die meisten Lernenden in Zukunft dem jährlichen Trubel am letzten Maiwochenende aus dem Weg gehen können. Einzig die Bibliothek des Fachbereichs Gesellschafts- und Geschichtswissenschaften der Universität wird ab 2012 noch im Schloss verbleiben. Einige Studenten werden daher auch weiterhin beim Lernen während des Schlossgrabenfestes auf Kopfhörer zurückgreifen müssen.

Text und Fotos: Tobias R. Krebs