Mediale: Studenten schlagen Professoren

Drei Tage lang haben Media-Studenten der Hochschule Darmstadt ihre Arbeiten und Projekte in der Centralstation gezeigt. Doch als nach 20 Uhr die Lichter der Mediale ausgingen, war für die Professoren und Studenten des Fachbereichs Digital Media noch lange nicht Schluss. Sie ließen den Abend mit einem virtuellen Bowlingwettbewerb ausklingen.

Sein Samtjackett hat Professor Wilhelm Weber am Montagabend gegen ein blau-weißes Hawaiihemd getauscht. Den Kopf eines anderen Dozenten schmückt eine schwarze Langhaarperücke. Kurz holt Weber aus, dann wirft er kraftvoll die Bowlingkugel. Zehn Pins fallen, es ist sein dritter Strike in Folge. Der Jubel ist jedoch verhalten, noch liegt das konkurrierende Team von vier Digital-Media-Studenten weit in Führung.

Enthusiasmus: Die Freude der Studenten über ihren Sieg war groß.

Die Freude der Studenten über ihren Sieg war groß.

Schwere Kunststoffbälle werden am Montag natürlich nicht über den Boden der Centralstation gerollt. Gebowlt wird über die Spielekonsole „Kinect“, die die Armbewegungen des Spielers in Aktionen auf dem Bildschirm umsetzt. So fordert das virtuelle Spiel nahezu die gleiche körperliche Anstrengung wie reales Bowling.

„Da sind wir hinterher genauso fertig wie nach einem richtigen Wettkampf“, weiß auch der Digital-Media-Student Nico Jaxt. Für den 23-Jährigen ist ein so enger und ungezwungener Umgang mit seinen Dozenten längst nichts Neues mehr. „Wir haben schon im vergangenen Jahr auf der mediale* eine gemeinsame Feier für Studenten und Professoren ausgerichtet“, erzählt er. Vor allem die Berührungsängste schwänden so.

„Nur wenn Vertrauen da ist, können uns die Dozenten auch effektiv helfen. Und wenn Studenten und Professoren so zusammengeschweißt sind, macht das Studium auch einfach mehr Spaß“, so Jaxt. „Außerdem ist es schon toll, mal etwas besser zu können als der eigene Prof“, fügt er hinzu, als er mit einem weiteren Strike den Sieg des Studenten-Teams einläutet.

Der 50-jährige Wilhelm Weber nimmt es mit Humor: „Das wurmt einen natürlich schon, gegen die eigenen Studenten zu verlieren.” Mit Respektverlust habe das aber nichts zu tun. „Wer so etwas bemängelt, dem rate ich, einfach mal mitzuspielen.“

Text und Fotos: Tobias Krebs