Kleine Träume von einer großen Fußballkarriere

Aufgeschürfte Knie und harte Zweikämpfe, die Kinder strahlen trotzdem. Der SV Darmstadt 98 hatte vor kurzem junge Fußballtalente aus der Region zu Gast. Beim alljährlichen Lilien-Talenttag gab es großen Andrang. Mit großem Ehrgeiz gehen einige der jungen Fußballer zu Werke. Wir waren für Sie dabei.

Bei sonnigem Wetter trainiert die Regionalliga-Mannschaft des SV Darmstadt 98 im 19.000 Zuschauer fassenden Böllenfalltorstadion. Das eigentliche Trainingsgelände, nur 100 Meter entfernt, ist am heutigen Mai-Nachmittag für den potenziellen Nachwuchs der Lilien reserviert.

Beim Spielen ist viel Ball-Gefühl gefragt.

Beim Spielen ist viel Ballgefühl gefragt.

Bereits zum achten Mal veranstalten die 98er den Lilien-Talenttag. Man will jungen Spielern aus der Region die Möglichkeit geben, die Trainer des Leistungszentrums von ihren fußballerischen Fähigkeiten zu überzeugen. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass einige Kinder durch den Talenttag den Sprung in die Nachwuchsteams des SV 98 schafften. Dieses Jahr nehmen 141 Kinder aus den Jahrgängen 1997-2003 teil. Wie auch in den Jahren zuvor, erhält die Veranstaltung großen Zuspruch. „Der Spaß soll für die jungen Sportler im Vordergrund stehen“, erklärt Björn Kopper, Leiter des Leistungszentrums.

Die meisten Eltern denken bei der Anmeldung ihrer Liebsten keineswegs an eine mögliche Profikarriere. Manche sind einfach froh, dass ihre Kleinen sich richtig austoben können und bieten ihnen außerdem Orientierung unter Gleichaltrigen, was den eigenen Leistungsstand angeht. Ihre Kinder selbst träumen allerdings durchaus von großen Stadien, in denen sie selbst spielen dürfen. „Henry spielt noch Handball, Tennis, Schach und Schlagzeug“, erzählt einer der stolzen Väter am Spielfeldrand. Seinem Sohn könnte dieser Tag auch helfen, seine Lieblingssportart zu finden.

Trainer schauen genau hin

Nachdem sich die Trainer vorgestellt haben, wird aus jedem der Jahrgänge eine eigene Gruppe gebildet, die jeweils von zwei Trainern angeleitet wird. Es ist also für reichlich Betreuung und Beobachtung gesorgt, denn zusätzlich reihen sich an der Seitenlinie die aufmerksamen Eltern. Neben dem Spaß, den die meisten Anwesenden aufgrund des schönen Wetters und dem guten Umgang mit den Kindern haben, steht aber vorallem auch die ernsthafte Beurteilung der jungen Fußballer im Vordergrund.

„Die Trainer achten vor allem auf die Koordination und Balltechnik“, so Kopper. Körperliche Eigenschaften wie die Größe spielten im Fußball auf den meisten Positionen eine geringere Rolle. Es ginge in diesem Alter vorrangig darum, grundlegende fußballerische Fähigkeiten zu erlernen. Einer der Übungsleiter erklärt den Kindern beispielsweise: „Wir haben keinen schwachen Fuß, nur einen weniger starken.“

Mit beiden Füßen ähnlich gut mit dem Ball umgehen zu können, sei ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung im Jugendbereich. Dieses motorische Geschick müsste früh gefördert werden, da es mit zunehmendem Alter immer schwerer zu erlernen sei.

Vereine aus dem Profibereich des deutschen Fußballs sichten Jugendspieler auch so früh und häufig wie möglich. Je früher man ein großes Talent entdeckt und für sich gewinnen kann, desto geringer ist der Preis den man dafür investieren muss. Auch aus Darmstadt ziehe es regelmäßig junge Spieler zu größeren Vereinen wie Eintracht Frankfurt, dem FSV Mainz 05 oder gar Bayern München. „Es ist ein Geben und Nehmen. Auch wir scouten die Jugendlichen der Region und holen gute Spieler zu uns“, erläutert Kopper.

Nach dem Training geben die Profis Autogramme.

Nach dem Training geben die Profis Autogramme.

In diesem Moment unterbricht Jan Zimmermann unser Gespräch und begrüßt Björn Kopper. Der Torwart von der Eintracht aus Frankfurt wechselte Anfang des Jahres nach Darmstadt. Er wurde in Frankfurt ausgebildet, konnte sich in der Bundesliga allerdings nicht durchsetzen. Ein weiteres Beispiel für das gerade angesprochene „Geben und Nehmen“.

Fast die gesamte erste Mannschaft des SV Darmstadt war gekommen, um den Nachwuchsspielern ihre Fragen zu beantworten und Autogrammwünsche zu erfüllen. So hatten diese nach dem Training einen direkten Bezug zu ihren Vorbildern. Es wird allerdings noch etwas Zeit brauchen, bis der Erste von ihnen ebenfalls vor einer blühenden Fußballkarriere bei den Lilien steht.

Text und Fotos: Per Bergmann