Herkules-Aufgaben – Teil 2

Eine Kneipe, zwei StraBaDa-Reporter und 24 Stunden Zeit. Anna Wittmershaus und Larissa Wagner haben das beinahe Unmögliche gewagt: Einen ganzen Tag und eine ganze Nacht in der “Pilsstube bei Herkules” ausharren, der einzigen Kneipe in Darmstadt, die fast durchgehend geöffnet hat. In drei Teilen erzählen sie von ihren Eindrücken, Strapazen und  den kuriosesten Gästen.

V – Besiegt die Langeweile

Wir unterhalten uns über das Studium, befragen Gäste zum Herkules und sprechen mit den Angestellten. Und wir schweigen. Wir schweigen über das, was uns beiden eigentlich klar ist: 24 Stunden sind eine lange Zeit. Langeweile kommt da schnell auf.

Mit Schildermalen vertreiben wir uns die Zeit

Mit Schildermalen vertreiben wir uns die Zeit

Zu jeder überstandenen Stunde machen wir ein Foto von uns mit einem Schild, das die Stundenanzahl zeigt. Zu Beginn jeder neuen Stunde malen wir ein neues Schild, das beansprucht gute 15 Minuten.

Auf einer Liste haken wir die vergangenen Stunden ab und freuen uns darüber wie ein Kind am Weihnachtsmorgen. Wir wünschen uns schlechteres Wetter, damit wir die Sonne, die draußen scheint, nicht so vermissen müssen – weitere zehn Minuten vergehen. Wir überlegen, welcher Zeitpunkt wohl der schlimmste werden wird. Fragen uns, was wir wohl unternehmen würden, wenn wir nicht im Herkules wären – wieder sind 15 Minuten vorbei. In den letzten Minuten jeder Stunde bereiten wir uns euphorisch auf das nächste Foto vor. Dieses Raster wird einzig durch einige Ausnahmen unterbrochen: wir starren aus dem Fenster, gehen auf die Toilette, lackieren uns die Fingernägel und bedienen die Jukebox.

VI – Zähmt die Jukebox

Während unserer Zeit im Herkules begegnen wir Stammgast Victoras, genannt Victor. Er fühlt sich für die Musik verantwortlich und seine größte Sorge ist es, dass uns seine Titelauswahl nicht gefällt. Deshalb bittet er uns um unsere Meinung und drängt uns, ihm bei der Zusammenstellung der Lieder zu helfen.

Er überredet uns, mit zur Jukebox zu kommen. Nach einer kurzen Einarbeitungsphase – „auf den Pfeiltasten könnt ihr hin- und herscrollen und dann einfach die gewünschte Nummer auf dem Zahlenfeld eintippen“ – wählen wir ein Lied von Nickelback. Victor setzt einen herzerweichenden Blick auf: „Bitte nicht Nickelback. Nehmt lieber das“, er zeigte auf einen Titel von Bryan Adams: “Please forgive me”. Dieses Lied scheint Victor besonders zu mögen. Es läuft nicht zum ersten Mal an diesem Tag.

Vor einigen Gästen hätten wir uns am Liebsten versteckt

Vor einigen Gästen hätten wir uns am Liebsten versteckt

VII – Entfernt ungewollten Besuch

Zwei Studentinnen setzen sich 24 Stunden in eine Bar, die hauptsächlich von Männern besucht wird – sind wir naiv. Während die ersten Stunden recht friedlich verlaufen, bekommen wir gegen 20 Uhr den ersten unangenehmen Besuch. „Friss nicht so viel, du bist fett“, sagt der alte Mann zu Larissa. An Anna findet er mehr gefallen. „Du hast so schöne rote Lippen und rote Haare“, schwärmt er, lehnt sich über den Tisch und kippt dabei fast sein Bier um. Larissa setze wohl eher auf andere Werte meint er. „Ich wohne in Spanien und habe eine spanische Freundin“, behauptet er. Als Beweis reiht er sinnlos spanische Wörter aneinander. Wirklich beeindruckt von Sätzen wie „Liebte, Mann, Kuh“ sind wir nicht.

Volle zwei Stunden bleibt er beharrlich an unserem Tisch und überhäuft Anna mit primitiven Komplimenten. Durch die Anzahl der Biere, die er trinkt sinkt das Niveau seiner Bemerkungen stetig. Mit Hilfe der Barkeeperin und anderen Gästen, schaffen wir es zwischenzeitlich ihn von unserem Tisch zu entfernen. Doch erst als ein Kommilitone ihn mehrfach deutlich abweist, gibt er auf.

VIII – Überwindet die Müdigkeit

Tagsüber spielt die Müdigkeit keine Rolle und auch nachts fällt es uns nicht schwer, die Augen offen zu halten. Wir haben uns schließlich gut auf diese Herausforderung vorbereitet und sind am Vortag früh zu Bett gegangen. Bis um sechs Uhr morgens sind wir topfit. Dann beginnt die Tortur. In unseren Köpfen herrscht eine Leere wie im Herkules während der Mittagsstunden.

Auch nach 17 Stunden sind wir topfit

Auch nach 17 Stunden sind wir topfit

Unsere Augen brennen vor Müdigkeit und Zigarettenrauch. Kurz bevor wir einschlafen, naht Rettung.

Ein junger Mann, nennen wir ihn Mohamed, kommt auf uns zu. Er ist schon am Nachmittag kurz auf ein Bier im Herkules gewesen. Er mustert uns und sagt ungläubig: „Ihr seid ja immer noch hier.“

Wir erzählen Mohamed und seinen zwei Kameraden von unserer 24 Stunden-Aktion. Sofort beginnen sie mit uns darüber zu diskutieren, ob wir in der Lage sind, das Herkules realistisch zu beschreiben. Rückblickend müssen wir feststellen: Ohne die drei wären wir wohl irgendwann eingenickt.

Acht Aufgaben haben wir bereits absolviert. Welche letzten vier Aufgaben wir bewältigt haben, können Sie morgen in „Herkules-Aufgaben – Teil 3“ auf StraBaDa lesen. Welches die Aufgaben I bis IV waren, erfahren Sie in „Herkules-Aufgaben – Teil 1“.

Text: Anna Wittmershaus und Larissa Wagner | Fotos: Anna Wittmershaus und Tobias Krebs