Markthalle: Neues Konzept, neue Mieter

Treten Besucher über die breite Steintreppe in die Markthalle im City Carree ein, sehen sie – nichts. Tatsächlich steht seit fast zwei Jahren der gesamte vordere Bereich der einstigen kulinarischen Erlebniswelt leer. Allerdings soll sich das noch in diesem Jahr ändern, kündigt die Stadt Darmstadt an. So soll die Markthalle durch Umbauten viele neue Kunden anlocken. Doch wie sehen die Pläne konkret aus?

Wer die Markthalle von Seiten des Carree-Innenhofes betritt, fragt sich erst einmal, ob er sich auch wirklich in der Markthalle befindet oder sich nicht doch in der Tür geirrt hat. Die komplette vordere Hälfte steht leer. Kahle Wände, kalte Fliesen, ein paar vereinzelte Topfpflanzen und eine verlassene Holzbank – das ist alles, was auf den ersten Blick auffällt. Kaum ein Mensch ist in dieser Hälfte der Halle anzutreffen. Alles wirkt ziemlich trostlos – fast wie ausgestorben.

Leerstehende Markthallenhälfte

Erst auf den zweiten Blick fallen einige Schilder auf, die darauf hinweisen, dass es hier tatsächlich auch Geschäfte gibt. Geht man um die Ecke, sieht man sie: einen Thai-Imbiss, eine kleine Dönerbude, ein McDonalds Restaurant, eine Käsetheke, einen Obststand und einen Stand mit südländischer Feinkost. In diesem Teil der Markthalle halten sich deutlich mehr Menschen auf. Während der Obsthändler seine Früchte zurechtrückt, sitzen einige ältere Leute in der Bäckerei und trinken in aller Ruhe einen Kaffee zusammen. Beim Metzger gegenüber gönnen sich währenddessen zwei Herren eine Bratwurst mit einer Portion Senf.

Wer den regen Betrieb am Obststand und der Metzgerei sieht, wundert sich über die gähnende Leere auf der anderen Seite der Halle. Renate Markus (Name geändert), die schon seit einiger Zeit nicht mehr hier gewesen ist, sieht sich leicht verwundert um. „Ich war ganz erschrocken, als ich gesehen habe, wie viele Geschäfte mittlerweile geschlossen haben.“ Die Rentnerin hat gehört, dass zwar nach neuen Mietern gesucht werde, aber bislang ohne sichtbaren Erfolg. Allerdings ist sie nicht der Meinung, dass die vielen Geschäftsschließungen der Markthalle unmittelbar mit dem neuen Einkaufszentrum Loop 5 in Weiterstadt zusammenhängen. „Alles, was man hier kaufen kann, gibt es auch in anderen Kaufhäusern oder Geschäften in der Innenstadt.“ Trotzdem schlendere sie gerne durch die Markthalle und schaue sich an den verbliebenen Ständen um.

Auf den beträchtlichen Leerstand angesprochen, erzählt eine Angestellte der Metzgerei, dass in den vergangenen eineinhalb bis zwei Jahren immer mehr Geschäfte zugemacht hätten. Erst im letzten November hat das italienische Restaurant „Michelangelo“, das seit der Eröffnung der Markthalle vor etwa 13 Jahren hier ansässig war, geschlossen. Allerdings hat sie Hoffnung, dass es demnächst besser wird: „Dort hinten, auf der anderen Seite der Halle, soll umgebaut werden. Wir wissen allerdings nicht, wann die Bauarbeiten beginnen sollen und wir kennen auch nicht die konkreten Pläne.“ Die Metzgerei selbst sei davon auch nicht betroffen, wie sie sagt. Aber wirklich sicher klingt sie nicht.

Belebte Seite der Markthalle

Die Darmstädter fragen sich natürlich, wie die Markthalle zukünftig aussehen wird. Welche Veränderungen sehen die Umbaupläne vor? Britta Graf-Tiedtke vom Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung in Darmstadt beschreibt die aktuelle Situation: „Es gibt noch keine konkreten Umbaupläne. Bis Ende des Jahres wird aber eine Lösung angestrebt.“ Nur so viel kann sie mit Gewissheit sagen: Die vielen kleinen Läden, die bisher die Markthalle gefüllt haben, hätten sich als unwirtschaftlich erwiesen. Deshalb werden voraussichtlich drei große Gastronomen die freie Fläche anmieten. „Es gibt einige Interessenten. Die derzeitigen Mieter müssen jetzt bereit sein, am neuen Konzept mitzuarbeiten und Kompromisse zu schließen.“ Das bedeute allerdings nicht, dass die Geschäfte ihren Platz an die neuen Mieter abtreten müssen, es gehe lediglich um eine neue räumliche Aufteilung. Wie die im Detail aussehen wird, ist jedoch noch nicht klar. Graf-Tiedtke zeigt sich zuversichtlich: „Wir sind auf einem guten Weg und der Immobilieninvestor Fortress hat sich bereit erklärt, auf verschiedene Vorschläge einzugehen.“
Die Fortress Deutschland selbst, die Eigentümer der Markthalle ist, will sich zu dem geplanten Vorgehen jedoch nicht äußern.

 

Text und Fotos: Anja Beseler