Flashmob nach Fahrplan

Mehr als hundert tanzende Jugendliche überraschten am Samstagvormittag im Darmstädter Hauptbahnhof die Reisenden. Im Rahmen der Deutschen Tanzwoche organisierten die Tanzschulen des Allgemeinen Deutschen Tanzlehrerverbandes zusammen mit der Deutschen Bahn Flashmobs an Bahnhöfen.

Die Tänzer waren Blickfänger.

Um Viertel vor zwölf ist es schon auffällig voll in der Empfangshalle. Was das Bild ungewöhnlich macht, sind die vielen Leute, die auf etwas zu warten scheinen. Normalerweise bleibt hier niemand stehen, sondern will schnell zum Zug oder zum Ticket-Automaten. In der nächsten viertel Stunde, bis Punkt zwölf, kommen immer mehr dieser wartenden Menschen dazu.

Es wird so voll, dass man nicht mehr ohne Weiteres durch die Menge kommt. Um zwölf Uhr stellt ein junger Mann den Herren am Informationsschalter einen CD-Player vor die Nase, mitten auf den Tresen. „Ich hatte nur den Auftrag den Ghettoblaster hier aufzustellen und einzuschalten“, berichtet Student Andreas Siemens, der nichts von einem tanzenden Mob wusste.

Kaum ist die Musik zu vernehmen, stehen schon mehr als hundert Jugendliche und Kinder geordnet zusammen und fangen an zu tanzen. Zur selben Zeit wird in vielen deutschen Städten das Gleiche getanzt. Die Choreografie und Musik war vom Tanzverband organisiert und vorgegeben, sodass von Hamburg bis Nürnberg dasselbe getanzt wurde.

Der Flashmob ist vorbei.

Der Flashmob ist vorbei.

Etwa fünf Minuten dauert die vielfältige Performance, bei der von Elektro bis Klassik getanzt wird. Genauso plötzlich wie alles angefangen hat, ist es auch schon wieder vorbei. Die Tänzer und Tänzerinnen verschwinden in der Menge und hinterlassen einen großen leeren Fleck, um den die Zuschauer noch eine Weile herum stehen.

Nicht nur Tänzer und Zuschauer, sondern auch Deutsche Bahn und Tanzlehrerverband freuen sich über solche Flashmobs, die ein sehr effektives Mittel sind, um in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden. So hat das Berliner Staatsballett im März einen Flashmob organisiert, um aus der Performance einen Werbefilm zu machen.

Am Samstag ging es wahrscheinlich eher um die generelle Aufmerksamkeit der Medien, die mit der Aktion auf jeden Fall erreicht wurde. Aber bestimmt ohne werblichen Hintergedanken waren die tausenden jungen Leute, die begeistert bei der Sache waren, als sie am Samstag in etwa 30 deutschen Bahnhöfen tanzten.

Text und Fotos: Silas Sachs