16.41 Uhr – Eine strahlende Segelfliegerin

16.41 Uhr in Darmstadt. Eine Stunde Zeit. In unserer Serie steigen wir jede Woche pünktlich für Sie aus der Straßenbahn – und zeigen Ihnen eine Momentaufnahme von belebten, kuriosen oder auch eher versteckten Plätzen in Darmstadt. Dieses Mal verbrachten wir für Sie einen Nachmittag im Grünen – und begegneten Segelfliegerinnen, neugierigen Entenküken und einer Menge Naturverbundenheit.

Von Gänseblümchen übersäte Wiesen, mit Holzbalken umrandete Sandwege, vor dem Lärm schützende grüne Bäume – dieses Bild ergibt sich aus einem Blick auf den Prinz-Emil-Garten, der nur einen Schienensprung vom Verkehrstrubel entfernt liegt. An der Ecke der Niederstraße liegt versteckt eine Ruhezone, die an diesem Mittwochnachmittag nicht im Glanz der Sonne, sondern unter dem Lichtspiel einiger Gewitterwolken erstrahlte.

Auf den Wiesen kann man schön picknicken.

Auf den Wiesen kann man schön picknicken.

Bahngeräusche, Kindergequietsche, Entenkükenrufe – inmitten dieses bunten Mix aus Geräuschen finden sich die Darmstädter ein zum Entspannen, Sport machen und um die Natur zu genießen. In der Mitte des Parks liegt ein großer Teich, der mit seinem Wasserfall für Urlaubsfeeling sorgt. „Man kann sogar direkt am Fuß des Wasserfalls sitzen. Dort ist es bezaubernd schön, wenn die Sonne nicht so intensiv scheint.

Ich bin wahnsinnig gerne hier“, schwärmt die Rentnerin Helga Dorn. Ursprünglich komme sie aus Berlin und sei auf dem Land mit riesigen Gartenanlagen aufgewachsen – im Prinz-Emil-Garten habe sie ein Stückchen Heimat wieder gefunden. „Hier ist einfach alles so schön grün, verkehrsruhig, einfach angenehm. Ich fühle mich frei, wenn ich hier sitze“, betont die Darmstädterin.

Neben ihr taucht ein Parkbesucher auf und sammelt kopfschüttelnd den am Weg verteilten Müll ein. „Mich stört das einfach, wenn die Leute ihren Müll überall liegen lassen”, erklärt Kersten Faust. Die 83-Jährige schaltet sich begeistert ein: „Sind Sie auch wie ich mit der Natur verbunden?“ Der Umweltschützer und frühere Pferdepfleger freut sich über ihr Interesse – die beiden stellen nicht nur eine gemeinsame Pferde- und Naturliebe fest, plötzlich geht es um das Fliegen. Mit den Armen ausgebreitet trippelt Dorn strahlend über die Wiese. Sie war früher Segelfliegerin, „bei mir ist das ein noch ungelebter Traum“, muss Faust feststellen.

Die Enten sind alles andere als scheu

„Dadada“ – eine Frau mit einem Kinderwagen läuft an den Beiden vorbei. Während ihr Sohn noch von der vorbei laufenden Dogge fasziniert ist, erfreut sich die Mutter an der bis über beide Ohren strahlenden Rentnerin, die immer noch einen Segelflieger imitiert. Nicht gerade weniger kommunikativ sind die vielen Enten mit ihren Jungen auf der anderen Seite des Teichs. Zwei Freundinnen mit ihren Kindern setzen sich zu den Tieren, die zu ihrem Erstaunen alles andere als scheu sind.

Die Enten fühlen sich im Park besonders wohl.

Die Enten fühlen sich im Park besonders wohl.

Ein paar Sonnenstrahlen sind den Parkbesuchern doch noch gegönnt. Jogger, Hunde und ihre Herrchen sowie Familien strömen in den Park. „Eigentlich kommen wir hier sonst nicht her, denn die Mücken sind sehr störend. Aber heute können wir nicht an den See, da picknicken wir dann eben hier“, erklärt Jenny Herr, die es sich mit ihren Freunden gerade auf einer Decke gemütlich gemacht hat. Sonnen, Ausruhen, Lernen – all das könne man hier ideal machen, so die 23-jährige Absolventin aus Frankfurt. Erst vor kurzem hat sie ihr Studium der Sozialen Arbeit abgeschlossen und genießt nun ihre freie Zeit.

Doch zu Hause fühlen sich hier vor allem die vielen Enten, die ohne Hemmungen durch den königlichen Garten wackeln und neben den Besuchern ihr Schläfchen halten. „Am meisten naturverbunden sind dann eben doch noch die Tiere“, stellt der ehemalige Pferdepfleger Faust fest und verlässt mit den letzten Sonnenstrahlen den Park.

Text und Fotos: Caro Lobig