Die Gräphin aus Darmstadt

Im Darmstädter Stadtteil Bessungen fallen einem immer wieder bemalte Wände, Mauern oder Tore ins Auge. Egal ob es sich dabei um Dschungel-, Evolutions- oder Meeresmotive handelt, auf fast allen sind Hasen zu sehen. Doch wer steckt hinter den bunten Bildern?

Grazile Werke der "Gräphin"

Grazile Werke der "Gräphin"

Zum tausendsten Geburtstag Bessungens, vor neun Jahren, hat sich Jennie Bödeker etwas ganz besonderes einfallen lassen. „Ich wollte den Darmstädtern zehn Bilder schenken“, so die Graphikdesignerin. Per Zeitungsinserat rief sie Anwohner auf, sich bei ihr zu melden.

Die Grundidee, dass in jedem Bild mindestens ein Hase integriert sein sollte, wurde bis auf eine Ausnahme, bei der Drachenmauer, umgesetzt. Der Lapping, abgeleitet vom französischem Lapin, dem Kaninchen, ist das Wahrzeichen des Stadtteils Bessungen. In Darmstadt ist der Lapping aber nicht nur als Wildkaninchen, sondern auch als Hase bekannt.

Manche der Bewohner hatten eigene Ideen für ihre Tore, Wände und Mauern, anderen hat Jennie Bödeker etwas vorgeschlagen. Innerhalb eines halben Jahres sind dabei viele unterschiedliche Ideen entstanden und umgesetzt worden.

Die Handpuppe "Kurt Magerquark"

Die Handpuppe "Kurt Magerquark"

Aber Jennie Bödeker kann noch mehr als nur Lappings zeichnen. Zur Zeit arbeitet die 34-Jährige unter anderem an Stoffhandpuppen, die als Lernspielzeug für Kinder gedacht sind. Außerdem wird sie nächstes Frühjahr im Societäts-Verlag einen regionalen Ausflugsführer herausbringen. Ihre Empfehlungen für Zoos, botanische Gärten und Naturschutzgebiete ergänzt sie durch Fotos und Zeichnungen. „Hier in der Region gibt es zur Zeit nur kulinarische Führer und Städteführer, also nichts Vergleichbares“, erzählt die Graphikdesignerin, die auch als die “Gräphin” bekannt ist.

Das Fotografieren bereite ihr neben ihrer Arbeit viel Freude und sei ein guter Ausgleich zur Schreibtischarbeit. Vor allem die Naturfotografie habe es ihr angetan, aber auch andere Motive nehme sie gern vor die Linse. “Wie in der Malerei, bin ich für jedes Thema offen”, so die “Gräphin”. Ihre Werke setzt sie, gerne im Wechsel, mit den unterschiedlichsten Materialien und Techniken um.

Fast alles hat sich die „Gräphin“ selbst beigebracht

Jennie Bödeker hat sich fast alles selbst beigebracht, egal ob Airbrush, Ölmalerei oder Aquarell. Seit dem Kindesalter zeichnet und malt sie mit Freude. Oft habe sie die teuren Stifte ihres Vaters, der als Architekt arbeitet, stibitzt. Von ihm konnte sie viel über Proportionen, Perspektiven, Licht und Schatten lernen. „Auch wenn er meine Bilder gut fand, gab es immer ein Aber.“ Durch seine konstruktive Kritik habe er ihr jedoch viel beigebracht.

Zum Abschluss zeichnet die Graphikdesignerin für StraBaDa noch ein Selbstporträt mit Bleistift.

Für StraBaDa zeichnet die Graphikdesignerin ein Selbstporträt mit Bleistift.

Nach dem Abitur studierte Jennie Bödeker Kommunikationsdesign an der Hochschule Darmstadt. Bereits während der letzten beiden Semester hat sie nebenbei freiberuflich gearbeitet und war auch bis heute noch nie festangestellt.

„Ich kann mir meine Zeit selbst einteilen und bin mein eigener Chef“, erzählt die Diplom-Designerin. Selbst bezeichnet sie sich als Nachteule, geregelte Arbeitszeiten von neun bis fünf wären nichts für sie. Ihren eigenen Stil beschreibt die “Gräphin“ als „von kitschig bis skurril“. Inspiration für ihre Arbeiten hole sie sich oft in der Natur oder bei anderen Künstlern.

Aus der Umgebung Darmstadts wegzuziehen, kann sich Jennie Bödeker derzeit nicht vorstellen. Und das, obwohl sie ein Jobangebot aus China bekommen hat. „Ich bin eben ein Lapping“, stellt die gebürtige Bessungerin fest.

 

Text und Artikelbild: Sandrine Marissa Jalquin | Fotos und Zeichnung: Jennie Bödeker