16.41 Uhr – Dampf, Diesel und Elektro

16.41 Uhr in Darmstadt. Eine Stunde Zeit. In unserer Serie steigen wir jede Woche pünktlich für Sie aus der Straßenbahn – und zeigen Ihnen eine Momentaufnahme von belebten, kuriosen oder auch eher versteckten Plätzen in Darmstadt. Nicht weit vom Bahnhof Kranichstein feierte das Kranichsteiner Eisenbahnmuseum sein Jubiläum, dort konnte man alte Dampfloks bestaunen.

Zischende Ventile, dampfende und rauchende Schornsteine, tropfende Schläuche, ratternde Motoren und pfeifende Signalhörner. Das sind nur ein paar der Eindrücke, die am Wochenende beim Jubiläum des Eisenbahnmuseums Darmstadt Kranichstein zu erleben waren. Zum 35-jährigen Bestehen wurde im Museum mit den Besuchern ein Fest gefeiert. Viele Gastlokomotiven sind zu diesem Anlass von anderen Museen bereitgestellt worden.

Die Kinderspielwiese

Die Kinderspielwiese

 

Der Spielplatz für die Kinder

Während der ein oder andere Besucher den Eingangsbereich betritt, fühlt er sich direkt in eine andere Welt versetzt. Das erste, was Besucher erblicken, ist eine kleine Miniatureisenbahn, die langsam ihre Runden dreht. Hier können Kinder mit einer Dampflok fahren. Sie fahren ein oder zwei Runden mit kleinen, alten Sitz-Waggons, die von einer Dampflok gezogen werden. Ein Jugendlicher spielt hier den Schaffner – dann kann es auch schon los gehen.

 

Wenn die Kleinen dann keine Lust mehr haben, mit der Eisenbahn zu fahren, dürfen sie ausnahmsweise über die Gleise laufen und sich auf einer Kinderspielwiese beschäftigen. Hier finden die Kinder den Eingang zu einer großen und einer etwas kleineren Hüpfburg, die aussehen wie eine Eisenbahn. Außerdem gibt es ein Bällebad und eine längs aufgeschnittene Dampflok, die auch für Erwachsene interessant werden könnte. Hier können sie sehen, wo der Dampf entsteht und welchen Weg er nimmt, um die tonnenschwere Lok anzutreiben.

Die Drehscheibe und die Dampfspeicherlok3

Drehscheibe und Dampfspeicherlok

 

Die Drehscheibe

Laufen die Besucher weiter dem Rußgeruch und den Lauten der Signalhörner hinterher, so kommen sie zu einer Drehscheibe, um die sich alte Loks anordnen. Die Drehscheibe kann die Lokomotiven horizontal drehen. So können alte Dampflokomotiven schneller in die entgegengesetzte Richtung positioniert werden, um dann in die Wartungshalle oder auf die Gleise des öffentlichen Schienennetzes zu fahren. In der Halle stehen noch weitere Dampf-, Diesel- und Elektrolokomotiven. Vier alte Dampfloks stehen nebeneinander aufgereiht. Gerhard Vocke vom Eisenbahnmuseumspersonal erzählt: „Die 23 042 ist die letzte Dampflok dieser Serie, die für die DB gebaut wurde. Die 52 4867 ist eine Gastlok, sie stammt vom Verein Historische Eisenbahn Frankfurt, und gehört der Kriegslok-Baureihe an.“ Extra angereist sei die Lok 11 mit historischem Wagen von der Gesellschaft zur Erhaltung von Schienenfahrzeugen Stuttgart. „Sie ist etwa 100 Jahre alt.“ Vor der Wartungshalle steht eine sehr kleine Dampflok, eine feuerlose Industrie-Dampfspeicherlok.

 

 

Aber nicht nur riesige Dampfloks wurden gezeigt, sondern auch Lokomotiven, die an normale Autos erinnern. Sie wurden überwiegend beim Überwachen der Strecken eingesetzt. Besucher können auch in der Wartungshalle in eine Schlosserei hinein schauen – hier stehen mehrere Wartungsmaschinen zur Schau. Im Eintrittspreis enthalten sind auch Fahrten mit älteren Loks. Besucher können mit einer Dampflok die alte Wagons zieht, zum Darmstädter Hauptbahnhof und zurück fahren. Außerdem kann man mit einer anderen, moderneren Lok zu einem 700 Meter entfernten Schauplatz fahren. Hier können die Besucher gegen ein Entgelt von drei Euro von einem Kran, in einer Gondel in die Höhe gezogen werden. Vocke berichtet, man habe einen schönen Ausblick, nicht nur über das Eisenbahnmuseum Kranichstein sondern sogar bis nach Darmstadt.

Er erklärt Besuchern gerne mehr über die Vielfalt der Eisenbahnen, sagt aber immer dazu, dass das Museum auch die Entwicklung der Industrietechnik sehr gut zeigt. Sie hätten von Dampfloks über E- Loks bis hin zur Diesellok viel zu zeigen. „Die E16 08 zum Beispiel stammt aus den 20er Jahren. Sie ist 1980 nach 50 Jahren Betrieb erstmals stillgelegt worden und wurde vor ein paar Jahren, schließlich restauriert. Zurzeit steht sie als Gastlok in Kranichstein.“ Vocke erzählt stolz: „So eine schaffen wir uns auch an!”

Die Verwandten E-Loks

Die Verwandten E-Loks

 

Die Verwandtschaft

Verwandtschaft gibt es im Eisenbahnmuseum Kranichstein auch: Die E16 08 ist mit der E103 in ihrer Art des Antriebs verwandt und sie ähneln sich außerdem im Aussehen. Herr Vocke nennt sie auch gerne die Großtante. Die E103 konnte im Gegensatz zur Großtante, welche 50 Jahre in Betrieb war, nur 30 Jahre IC-Züge ziehen. Viele Exemplare der Baureihe konnten auf Grund der vielen Kilometer nicht mehr restauriert werden, da die Reparaturen immer aufwendiger und teurer wurden.

 

 

Als letztes wurde die E141 nach der Restaurierung in den Museumsbestand aufgenommen. Sie ist die letzte Lok ihrer Baureihe, die wieder fahren kann. In der Wartungshalle stehen noch mehr Loks, die gewartet oder wieder aufgearbeitet werden sollen. Eine solche Lok, die dort steht, ist die etwa 23 Meter lange 41 024 Dampflok.

 

Text und Bild: Dorothee Frey