16.41 Uhr – Zwischen Schulkindern und Aufbackbrötchen

16.41 Uhr in Darmstadt. Eine Stunde Zeit. In unserer Serie steigen wir jede Woche pünktlich für Sie aus der Straßenbahn – und zeigen Ihnen eine Momentaufnahme von belebten, kuriosen oder auch eher versteckten Plätzen in Darmstadt. Dieses Mal verbrachten wir für Sie einen Nachmittag in Bessungen – zwischen Schulkindern und Aufbackbrötchen.

Wartenden Schüler vor dem Kiosk

Wartende Schüler vor dem Kiosk

Der Himmel hat sich aufgeklart und die Wärme der Sonne ist zu spüren. Schüler der nahe gelegenen Georg-Büchner-Schule strömen zur Haltestelle Hochschulstadion. In den Armen halten sie ihre Jacken und Pullover. Einige von ihnen hören Musik, andere stellen die schweren und vollgepackten Schultaschen ab. Eine Gruppe von Mädchen geht geradewegs auf das kleine, von hohen, hell blühenden Bäumen umgebene, Gebäude zu. Der Kiosk „Pfungstädter Treff“ ist beliebt bei den jungen Leuten.

Ob es der in der Luft liegende leichte Brötchenduft ist, der sie anlockt? Viele Anzeigetafeln und  -fähnchen schmücken den Imbiss in der Nieder-Ramstädter Straße. Hinter dem Verkaufsfenster sind verschiedene Süßigkeiten platziert und  in den aufgereihten Kühlschränken gegenüber der Tür steht eine große Auswahl von Getränken. Die Schaufenster und Stehtische sind liebevoll mit Pflanzen dekoriert. Das Thekenpersonal begrüßt einen mit einem einladenden Lächeln.

Durch Mundpropaganda den Job gefunden

Die Verkäuferin Käthe Gottschalk sucht gerade das passende Rückgeld für eine Kundin. Aufgewachsen ist die 62-jährige in Sachsen-Anhalt. Hätte sie nicht ihre Anstellung verloren, würde sie auch heute noch dort leben. „Arbeitslosigkeit, so etwas kannten wir damals überhaupt nicht.“ Bereits seit sieben Jahren arbeitet sie nun hier. Und das gerne. „So lange wie möglich möchte ich noch angestellt sein.“ Auch Nadine Bause würde gerne noch viele Jahre im Kiosk arbeiten, zusammen mit Käthe. „Durch Mundpropaganda bin ich damals an den Job gekommen“, erklärt Nadine. Nachdem sie eine Zeit lang auf Grund ihrer Krankheit arbeitsunfähig war, hat sie hier einen Job gefunden, der ihr wieder viel Freude bereitet.

Nadine und Käthe bei der Arbeit

Nadine und Käthe bei der Arbeit

Das eingespielte Team putzt die bereits strahlende Theke und ordnet die Brötchen und süßen Stückchen neu an. Die 29-jährige Nadine füllt Lücken auf und holt neue Papiertüten  unter dem Verkaufstisch hervor. Beide Frauen tragen ein Poloshirt mit dem Logo der Roßdörfer Backstation, dem Lieferanten der Backwaren. „Täglich belegen wir um die 200 Brötchen“, erzählt Käthe. „Im Großen und Ganzen besteht unser Alltag aus Brötchen aufbacken, Ware auspacken, Regale auffüllen, Putzen und natürlich dem Verkauf“, ergänzt Nadine.

Zwei Mitarbeiterinnen des insgesamt neunköpfigen Teams kommen von ihrem Außendienst in der Georg-Büchner-Schule zurück. Die leeren Brötchenkörbe werden aus dem roten Kleintransporter in ein Hinterzimmer gebracht. Lautes Lachen ertönt. Die vier Kolleginnen begrüßen sich und scherzen miteinander.

Von Weitem sieht man schon die Bahn Richtung Innenstadt anfahren, doch ein paar Jungs rennen noch über die Gleise, um sich am Verkaufsfenster ein Wassereis für den Heimweg zu kaufen. Der gut besuchte Laden lockt vor allem Schüler und Anwohner an. Aber auch Passanten gönnen sich dort immer wieder eine Pause.

Text und Fotos: Sandrine Jalquin